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Konntest du kaum eine der obenstehenden Fragen beantworten? Oder wusstest du gar nicht, dass die Europameisterschaft der Frauen diesen Sommer stattfindet? So ging es auch Silvy Ammann aus Bern, die seit Jahren die grossen Fussballturniere der Männer mitverfolgt. Bei einer Google-Recherche an der letzten Männer-WM ist sie auf die EM der Frauen aufmerksam geworden: «Da dachte ich mir: Warum weiss davon kaum jemand? Kurzerhand haben meine Mitbewohnerin und ich unsere Freundinnen zusammengetrommelt und mit ihnen beschlossen, dass wir die EM der Frauen sichtbarer machen wollen.»

Frauenfussball wird noch immer als Nischensport behandelt

Unter dem Motto «em22_grossmachen» promotet die Gruppe aus Bern mit unterschiedlichen Aktionen seit Wochen das Turnier. Die Initiative hat über die Grenzen von Bern hinaus grosse mediale Aufmerksamkeit generiert. Silvy Ammann freut das: «Wir hätten nie damit gerechnet, dass unsere Idee auf so viel Begeisterung stösst! Wir konnten bereits 15 Bars in Bern für ein Public Viewing gewinnen. Wir haben zudem kleine Sponsoringbeiträge und Unterstützung von Firmen erhalten. Damit konnten wir 2000 Plakate drucken, die nun in ganz Bern hängen und auf die EM aufmerksam machen.» Ein weiteres grosses Anliegen ist die Bekanntmachung der EM in den Schulen: «Wir wollen auch junge Menschen für den Frauenfussball begeistern. Deshalb waren wir mit vielen Lehrpersonen in Kontakt und konnten diese motivieren, mit ihren Schüler:innen über die EM zu sprechen.»

Das öffentliche Interesse am Frauenfussball scheint also durchaus vorhanden – aber warum muss eine Gruppe von Freiwilligen all diese Aufgaben übernehmen? Man stelle sich vor, es wäre die EM der Männer und eine kleine Gruppe müsste dafür Werbung machen beziehungsweise Barbetreiber persönlich davon überzeugen, die Spiele zu zeigen.

Silvy Ammann
Kein Wunder ist das Interesse am Frauenfussball kleiner, wenn praktisch keine Inhalte dazu in den Medien existiert.

Silvy Ammann hört als Argument immer wieder, dass der Frauenfussball auf wenig Interesse stosse und deshalb eben auch weniger Geld fliesse. Das lässt sie nicht gelten: «Kein Wunder, ist das Interesse am Frauenfussball kleiner, wenn praktisch keine Inhalte dazu in den Medien existiert.» Eine Studie der Universität Zürich bestätigt, dass der Gender Gap in der Medienberichterstattung bei den Sportnachrichten am grössten ist. Jährlich betreffen nur gerade 13 Prozent der Sportnachrichten in der Schweiz den Frauensport, in fast 90 Prozent der Fälle wird also im Sport über Männer berichtet. Ein Grund dafür ist, dass Männer die Führungspositionen im Sport und damit auch die Medienberichterstattung dominieren. Im Schweizerischen Fussballverband ist Tatjana Haenni die einzige Frau in der siebenköpfigen Geschäftsleitung. Auch unter den Trainer:innen der 16 Nationalmannschaften, die an der EM in England antreten, sind nur sechs Frauen. Ein weiterer Grund könnte auch der Gender Gap im Sportjournalismus sein – dieser sieht ähnlich aus wie in der Sportberichterstattung. In Deutschland beträgt die Frauenquote im Sportjournalismus nur elf Prozent - 89 Prozent der Artikel werden also von Männern geschrieben.

EURO 22 – ein Startschuss für den Frauenfussball

Dieses Jahr geht aber die EM auch an den Schweizer Medienhäusern nicht ganz vorbei. Während das Schweizer Radio und Fernsehen bei der WM der Frauen im Jahr 2019 nur die Finalspiele live im Fernsehen zeigte, wird an der diesjährigen EM immerhin ein Spiel pro Spieltag live auf dem Sender übertragen. Alle anderen Spiele können Fans im Livestream von SRF-Online anschauen. Ähnlich handhaben dies auch die deutschen TV-Sender ARD und ZDF.

Gemäss den Initiantinnen von «Forza le donne» reicht das aber noch nicht. Die Gruppe, bestehend aus Spieler:innen und Fans, hat ein Manifest für den Schweizer Frauenfussball  geschrieben. Darin fordert sie, dass die Medien im gleichen Umfang über den Frauenfussball berichten wie über den Männerfussball und dass Medienauftritte von Fussballerinnen und Fussballern gleich entschädigt werden sollen.

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Ein Blick auf England zeigt, dass das öffentliche Interesse auch international zunimmt. Die Tickets fürs Turnierfinale im englischen Wembley-Stadion waren innerhalb von 43 Minuten ausverkauft. Das Stadion bietet Platz für 90'000 Zuschauer:innen. Insgesamt erwarten die Organisator:innen der EM eine halbe Million Fans in den Stadien, mehr als doppelt so viele wie bei der letzten EM in den Niederlanden im Jahr 2017. «Dieser Sommer wird ein Paradigmenwechsel für den europäischen Frauenfussball», sagt die UEFA-Frauenfussball-Chefin Nadine Kessler.

Equal Play – Equal Pay?

Silvy Ammann sieht aber auch den Schweizerischen Fussballverband in der Pflicht, den Frauenfussball weiter zu fördern: «Es kann nicht sein, dass Juniorinnen schlechtere Trainingsbedingungen haben oder die Spiele der Frauen immer zu Zeiten übertragen werden, wo keiner zuschauen kann.»

Immerhin konnte der Fussballverband kurz vor der EM verkünden, dass sie bei den Prämiengeldern einen wichtigen Schritt in Richtung Equal Pay gehen. Neu erhalten Frauen vom Hauptsponsor Credit Suisse die gleichen Prämien wie die Männer, ab 2024 gilt das für alle Verbandssponsoren. Dieser wichtige Schritt wurde bereits in sieben weiteren Teilnehmerländern der EM getätigt, in Norwegen etwa bereits 2017. Wie hoch die Prämien konkret sind, bleibt geheim, für die Spielerinnen werden sie aber mehr als vier Mal so hoch sein.

9.5 Millionen vs. 600'000 Franken Startgeld

Trotzdem ist die Nationalmannschaft noch weit entfernt von einer gleichberechtigten Entschädigung. Nebst den Bonuszahlungen von Verbandssponsoren ist nämlich auch die erfolgsabhängige Prämie der UEFA eine wichtige Einkommensquelle für Nati-Spielerinnen. Dabei handelt sich um jenes Geld, das die Spielerinnen erhalten, je nach dem, wie weit sie im Turnier kommen. Obschon es auch hier Verbesserungen gab, lässt sich noch nicht von einem Paradigmenwechsel sprechen.

Die UEFA hat während der letzten EM der Männer insgesamt Prämien in Höhe von 221 Millionen Franken an die Teams bezahlt. Das ist 14 Mal mehr als die Frauen dieses Jahr bekommen. An der Frauen-EM belaufen sich die Prämien auf insgesamt 16 Millionen Euro. Während alle Männerteams ein Startgeld von 9.5 Millionen Euro erhalten haben, liegt die Antrittsprämie bei den Frauenteams bei 600'000 Euro, das ist ein Sechzehntel davon.

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Die Gesamtsumme der diesjährigen EM-Prämien ist doppelt so hoch wie noch vor vier Jahren. Darin enthalten ist auch erstmals eine erfolgsabhängige Prämie für Siege in den Gruppenspielen. Die UEFA will damit «einen zusätzlichen sportlichen und finanziellen Anreiz schaffen» und für mehr Unterhaltung und Spannung sorgen. Doch auch diejenigen Mannschaften, die in der Gruppenphase keine Spiele gewinnen, gehen nicht leer aus: 60 Prozent der Prämiengelder gehen zu gleichen Teilen an alle teilnehmenden Nationalverbände. Damit soll die Entwicklung des Frauenfussballs in allen Ländern einen Schritt vorankommen. Die restlichen 40 Prozent werden erfolgsabhängig verteilt.

Um dem massiven Unterschied zu den Schweizer Männern ein wenig entgegenzuwirken, hat der Schweizerische Fussball Verband entschieden, die gesamte UEFA-Prämie an die Spielerinnen auszuschütten. Bei den Männern erhalten die Spieler nur einen Teil.  Der Rest wird für die Finanzierung diverser Verbandsaktivitäten verwendet. Trotzdem erhalten die Spielerinnen unter dem Strich rund eine Million Franken weniger.

EM-Song, Panini-Bildli und Tippspiele

Für Silvy Ammann sind es aber nicht nur die Prämien, die einen grossen Unterschied machen. Auch der Glanz rund um die EM ist wichtig: «Zum Beispiel wollten wir für unser erstes Radiointerview den EM-Song mitbringen. Dann ist uns erst aufgefallen: Es gibt keinen für die EM der Frauen», erzählt sie. Auch in den Schulen erhält die EM kaum Aufmerksamkeit, denn die Panini-Bilder der Frauen werden an den Kiosken in der Schweiz nicht verkauft – zu gering sei das Interesse. Auf Anfrage bei SRF, ob es für die EM der Frauen ein Tippspiel gäbe, verwies die Sportredaktion aufs Tippspiel im Winter während der Männer-WM.

Silvy Ammann
Wir wollten für unser erstes Radiointerview den EM-Song mitbringen. Dann ist uns erst aufgefallen: Es gibt keinen für die EM der Frauen.

Laut Ammann tragen solche Dinge dazu bei, dass der Hype um die Frauen-EM noch viel kleiner ist als bei den Männern. «Wir haben aber festgestellt, dass es ganz viele coole Projekte gibt, die das ändern wollen. Statt Tippspiel auf SRF gibt es Tippicletta oder statt Panini-Bildi das tschutti heftli.» Die Gruppe aus Bern ist jedenfalls schon im Fussballfieber und blickt mit grosser Vorfreude auf den morgigen Anpfiff. Silvy Ammann sagt: «Ich freue mich riesig auf einen EM Sommer mit Public Viewings. Ich bin sicher, dass diese EM den Ball ins Rollen bringen wird.» Wer weiss, vielleicht findet die nächste EM in der Schweiz statt. Die Bewerbung wurde jedenfalls eingereicht.

Alle weiteren Informationen zur EM und den aktuellen Spielplan findest du hier.