Eigentlich macht der Samichlaus jetzt in seiner Waldhütte Pause und erholt sich von den strengen Chlaustagen. Für ein Interview mit elleXX hat er sich aber noch Zeit genommen und mit uns über das Leben als Hausmann, seine Beziehung zum Christkind und Bartpflege gesprochen.

In dieser Rubrik fragen wir Männer, was sonst nur Frauen gefragt werden. Wir wollen damit einen Dialog über Stereotypen in Gang setzen, zum Nachdenken und Schmunzeln anregen, aber auch Toxizität entlarven.

Wie geht’s dir?

Mir geht’s gut, danke. Ich bin jetzt wieder in meiner Waldhütte. Aber die Vorweihnachtszeit war in diesem Jahr ziemlich streng, weil ich die Familien wieder persönlich besuchen konnte. Das war die letzten zwei Jahre nicht der Fall. Darum war ich jetzt auch besonders nervös. Obwohl, wenn ich es mir so überlege, war ich im letzten Jahr fast noch nervöser.

Warum das?

(Seufzt.) Da habe ich viele Familien und Kinder virtuell besucht und mit ihnen so einen Video-Call gemacht. Ich hatte immer etwas Angst, dass irgendwas nicht klappt. Das mit der Technik liegt mir nicht so.

Samichlaus
Einmal im Jahr etwas im Rampenlicht zu stehen, ist für mich in Ordnung.

Das kann ich mir vorstellen. Haben Kinder heute noch Respekt vor einem älteren Herrn?

(Schmunzelt unter seinem Bart.) Ja, eigentlich schon. Ich mache diesen Job ja schon seit Jahrzehnten, ja sogar Jahrhunderten, und die meisten Kinder hören auch heute noch auf das, was ich sage. Es kommt manchmal sogar vor, dass der Schmutzli und ich gar nicht mit den  Kindern reden können, weil sie Angst vor uns haben. Das ist meistens dann der Fall, wenn die Eltern ihren Kindern sagen, dass ich streng bin. Kaum sehen mich diese Kinder, verschwinden sie oder  fangen ganz fest an zu weinen.

Oh, das ist sicher hart.

Ja, das ist schon schade. Ich bin kein strenger Mann. Ich möchte mich vor allem mit den Kindern austauschen und mit ihnen über verschiedene Dinge reden – von Hausaufgaben übers Aufräumen bis zum Gemüse essen.

Wie kommst du mit dem ganzen Rummel um deine Person klar?

Einmal im Jahr etwas im Rampenlicht zu stehen, ist für mich in Ordnung. Es ist schön zu sehen, wie sich alle freuen, mich zu sehen. Aber ehrlich gesagt ist mir der Rummel auch manchmal etwas zu viel. Ich bin ganz froh, wenn ich wieder in den Wald zurück kann. Unter dem Jahr verbringe ich viel Zeit alleine. Entweder in meiner Waldhütte, oder ich schleiche rum und beobachte, was die Kinder so treiben. Ich versuche also die meiste Zeit, nicht aufzufallen.

Warum bist du denn so ein einsamer Wolf? Du bist doch als Mann eigentlich ein total soziales Wesen.

(Räuspert sich.) Naja, ich bin mich einfach an Ruhe gewöhnt. Und ich bin ja nicht ganz alleine im Wald. Die Schmutzlis wohnen auch bei mir, und wir sind ein sehr eingespieltes Team.

Ist dir der Ton unter diesen wilden Kerlen nicht manchmal zu rau?

Jaja, sie sind noch jung und recht wild. Aber ich muss sagen, sie hören ziemlich gut auf mich.

Das erstaunt mich. Wie hast du das denn geschafft?

(Lacht.) Ich habe mir über die Jahre einen gewissen Respekt erarbeitet. Mein Wort hat Gewicht. Ich sage also nicht nur den Kindern, wenn sie etwas besser machen müssen, beispielsweise ihr Zimmer aufräumen, sondern ich sage das auch den Schmutzlis – manchmal auch zwei-, dreimal.

Aber grundsätzlich hältst schon du eure Hütte in Schuss.

Ich achte darauf, dass es in unserer Hütte aufgeräumt und gemütlich ist. Ich will ein Vorbild sein. Ich kann ja nicht den Kindern sagen, sie müssen ihr Zimmer aufräumen, während bei mir Chaos herrscht.

Der geborene Hausmann.

(Grummelt vor sich hin.) Ich habe ja keine Wahl. Die Schmutzlis helfen ein bisschen mit, aber ich kümmere mich um das meiste. Ich mache Feuer, koche, wasche, räume auf. Alles, was in einem Haushalt halt so anfällt.  

Samichlaus
Das Christkind und ich haben keinen Zickenkrieg. Wir haben unsere Rollen und funken uns nicht rein.

Wie kommst du mit dem ganzen Mental Load rund um Weihnachten klar?

(Runzelt die Stirn.) Da musst du mir jetzt helfen. Ich kann zwar etwas Englisch, aber was ist Mental Load?

Mental Load ist die Belastung durch alltägliche, unsichtbare Aufgaben, deren Erledigung nicht wertgeschätzt wird. Dazu gehören besonders Arbeiten in der Familie wie Organisieren, Planen, an tausende Dinge denken, und, und, und.

Ach so. In dem Fall bekomme ich diesen Mental Load schon zu spüren – vor allem rund um die Samichlaus-Zeit. Ich muss meine Touren planen, mich gut auf die Gespräche vorbereiten, wissen, wer wer ist und was jede und jeder besser machen kann. Ich kontrolliere, dass die Schmutzlis und ich mit einem gut gefüllten Sack zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Das ist ganz schön viel Arbeit.

Hast du manchmal Angst, alles nicht zu schaffen?

(Schüttelt bedächtig den Kopf.) Nein, eigentlich nicht. Ich habe viel Übung und Erfahrung. Ich weiss, dass wir das hinkriegen. Am schwierigsten finde ich es, mich immer wieder an einem neuen Ort zurechtzufinden und den Weg zu allen Familien zu finden. Aber da hilft mir meine Dienerin.

Deine Dienerin?

Ja, die heisst bei uns so. Das ist eine sehr nette Frau, die sich in den Städten und Dörfern gut auskennt und mir den Weg zeigt.

Also steht auch hinter dem Samichlaus eine starke Frau.

(Lacht.) Absolut. Sie steht eigentlich sogar vor mir und zeigt mir den Weg mit ihrer Laterne.

Wie stehen das Christkind und du so zueinander? Gibt’s da manchmal Zickenkrieg?

(Stutzt kurz und räuspert sich.) Nein, das Christkind und ich haben keinen Zickenkrieg. Wir haben unsere Rollen und funken uns nicht rein. Wir arbeiten sogar zusammen. Ich frage die Kinder beispielsweise, was sie sich zu Weihnachten wünschen, und gebe das dann dem Christkind weiter.

Samichlaus
Ich habe gemerkt, dass ich von meinem Alter eher profitiere. Die Runzeln auf der Stirn und der lange weisse Bart lassen mich erfahren erscheinen.

Aber das Christkind stiehlt dir mit den Geschenken schon ziemlich die Show …

(Lacht herzhaft.) Das stimmt natürlich, ich bringe nicht die grossen Geschenke. Ich habe gar nicht die Kraft, so viel zu schleppen. Da ist das Christkind flinker. Aber das ist auch okay. Ich gebe zu, ich frage die Kinder manchmal, auf wen sie sich mehr freuen, auf das Christkind oder auf mich.

Also doch ein Konkurrenzkampf. Und was antworten sie?

Das ist ganz unterschiedlich. Aber ich kann nicht ohne Stolz sagen: Viele Kinder finden es toll, mich hin und wieder zu sehen und mit mir reden können. Beim Christkind haben sie diese Möglichkeit nicht, es ist halt sehr scheu.

Stresst dich dein Alter?

Nein, gar nicht. Ich habe gemerkt, dass ich von meinem Alter eher profitiere. Die Runzeln auf der Stirn und der lange weisse Bart lassen mich erfahren erscheinen. Ausserdem bin ich gelassener geworden und bin weniger nervös als früher. Ich muss auch sagen, dass ich die letzten Jahre nicht mehr so stark gealtert bin. Ich gefalle mir im Spiegel.

Das ist schön. Was ist dein Beauty-Geheimnis?

(Grummelt etwas in seinen Bart und schüttelt den Kopf.) Ich habe keine speziellen Mitteli, wie ich sie bei Familien im Badezimmer sehe. Ich bin viel an der frischen Luft im Wald und nehme mir auch mal Zeit, einfach im Stuhl zu sitzen und den Vögeln zuzuhören. Zudem bin ich viel mit den jungen Schmutzlis unterwegs. Das hält mich wohl auch jung. Und wer weiss, vielleicht haben auch Erdnüsschen einen positiven Effekt.

Hast du schon mal Bodyshaming erlebt, also abwertende Bemerkungen über dein Äusseres?

Danke für die Erklärung. Es hat vielleicht schon mal jemand etwas über meinen Bart gesagt oder gefragt, warum der so lang und weiss ist. Aber sonst kenne ich das nicht. Aktuell merke ich sogar, dass mein Aussehen – also vor allem der Bart – wieder ziemlich im Trend ist. Ich sehe immer mehr Männer mit Bart.

Hast du einen Tipp für die Bartpflege?

Ich mache da nicht viel. Ich wasche meinen Bart regelmässig mit kaltem Wasser aus dem Fluss bei meiner Hütte. Und dann bürste ich mit einem Kamm die Knoten raus. Das ist schon alles.

Freust du dich mehr über ein Bügeleisen, einen Lockenstab oder Schmuck unter dem Weihnachtsbaum?

(Lacht und überlegt.) Ich habe immer eine so lange Wunschliste der Kinder, die ich dem Christkind abgebe, dass ich meine Wünsche komplett vergesse. Oder dass das Christkind sie vergisst. Aber das macht nichts. An Weihnachten bin ich sehr zufrieden, wenn ich zusammen mit den Schmutzlis am Feuer einen Kaffee oder Punsch trinken und auf die schönen Samichlaustage zurückblicken kann. Was ich aber brauchen könnte, wären neue Wollsocken. Meine sind etwas durch, nach den vielen Fussmärschen.

Alles klar, dann hoffen wir, das Christkind liest elleXX. Was wünschst du den Menschen zu Weihnachten?

Dass überall auf der Welt wieder Menschen und Familien zu Weihnachten zusammenkommen können – ganz ohne Hintergedanken. Dass sie einfach gemeinsam feiern und auf das alte Jahr zurück- und das neue Jahr hinausblicken können.

Ein schönes Schlusswort. Danke für das Gespräch, und wir wünschen dir natürlich auch frohe Weihnachten!