Frauen und Finanzthemen – leider ist daraus noch keine vollständige Liebesbeziehung geworden. Das hat unterschiedliche Gründe: Zum einen ist es unsere Sozialisierung, die uns einredet, Finanzen seien viel zu kompliziert. Zum anderen fühlen wir Frauen uns in Börsenthemen unsicher (47%) und besorgt (37%), wie eine Studie der Union Investment herausgefunden hat. Männer hingegen sehen Börsenthemen optimistischer und stehen ihnen mit Vorfreude gegenüber (63%). Ausserdem verbinden sie damit Freude und Spass (61%) – obwohl ihre Finanzkompetenzen nicht unbedingt besser sind als die von uns Frauen.

Doch wie wirkt sich dieses verhaltene Vorgehen von Frauen bei Finanzthemen eigentlich auf ihre Kinder aus? Welche bewussten und unbewussten Signale senden sie ihnen – besonders an die Mädchen? Welche Vorteile hätte es für Kinder, wenn ihre Mütter ihre Finanzen selbst in die Hand nähmen?

Finanzielle Bildung: Was bedeutet das eigentlich, und warum ist es wichtig?

Finanzielle Bildung steht für die Kompetenz, gute Finanzentscheidungen treffen zu können. Dies fängt beim Budgetieren an, geht in einen bewussten Konsum über, hin zu diversen Spar-Tricks und resultiert in einem nachhaltigen Vermögensaufbau. Eigenes Geld zu haben und zu verwalten, fördert die Unabhängigkeit der Frauen – nicht zu vergessen: die Scheidungsrate in der Schweiz liegt bei rund 40 Prozent. Je besser wir uns also auskennen, desto vorteilhafter für uns.

Doch wie wir alle wissen, ist finanzielle Bildung kein Schulfach. Wie lernen wir, respektive unsere Kinder, also einen gesunden Umgang mit Geld? Vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass man üblicherweise mit Mädchen anders über Geld redet als mit Buben.

Was kannst du als Elternteil nun konkret tun, um diesen Gap zu schliessen? Ich habe ein paar Tipps für dich (sie gelten aber natürlich nicht nur für Mütter, sondern für alle Eltern):

Du bist das Vorbild

Kinder lernen durch Nachahmung. Als Mutter bist du also das erste «Finanz-Vorbild» deines Kindes. Du prägst sowohl bewusst als auch unbewusst die ersten Glaubenssätze deines Kindes in Bezug auf Geld. Dein Kind hört, wie du über Geld sprichst, und es fühlt, welche Emotionen du damit verbindest.

Daher empfehle ich dir als ersten Schritt: Beobachte dich selbst über eine gewisse Zeit im Alltag, überprüfe deine Geld-Gewohnheiten und achte auf Folgendes:

  • Denkst du positiv oder negativ über Geld?
    (Zum Beispiel: «Geld ist böse» vs. «Geld gibt mir (Wahl)Möglichkeiten».)
  • Wie sprichst du über Geld – speziell vor deinem Kind?
    (Zum Beispiel: «Wir haben kein Geld» vs. «Wir haben immer genug Geld». Oder: «Oh verdammt, schon wieder eine Rechnung» vs. «Ja, ich habe eine Dienstleistung in Anspruch genommen, und diese zahle ich mit dieser Rechnung».)
  • Wie gehst du selbst mit Geld um?
    (Zum Beispiel: Bist du eher der Sparfuchs, die Shopping-Prinzessin oder sogar die Investitions-Königin?)
  • Wie lebt ihr als Familie das Thema Geld im Alltag?
    (Zum Beispiel: Wer trifft hauptsächlich finanzielle Entscheidungen? Dein Partner, du oder ihr beide gemeinsam? Wer zahlt die Rechnung, wenn ihr als Familie auswärts essen geht?)
Simone Hoffmann
Wenn du alle finanziellen Entscheidungen deinem Partner überlässt, er alle Rechnungen bezahlt und du Finanzen als lästig und zu schwierig empfindest, ist die Chance hoch, dass diese Muster von deinem Kind übernommen werden, wenn es selbst erwachsen ist.

All diese Beispiele, Denk- und Handlungsweisen haben eine Wirkung auf dein Kind. Wenn du alle finanziellen Entscheidungen deinem Partner überlässt, er alle Rechnungen bezahlt und du Finanzen als lästig und zu schwierig empfindest, ist die Chance hoch, dass diese Muster von deinem Kind übernommen werden, wenn es selbst erwachsen ist. Denn: «Mama hat das ja auch so gemacht.»

Überlege Dir im zweiten Schritt, wie du ein gutes Finanz-Vorbild für dein Kind sein kannst:

  • Sieh Geld als Chance und sprich vor deinem Kind positiv über Geld.
  • Fang an, dich über Geldthemen zu informieren.
  • Nimm deine Finanzen in die Hand und kümmere dich um deine Geldangelegenheiten.
  • Wenn du es nicht allein schaffst: Trau dich und hole dir Unterstützung – zum Beispiel bei einer unabhängigen Finanzberaterin.
  • Lebe die Geldgewohnheiten vor, von denen du möchtest, dass sie auch dein Kind übernimmt.
  • Mach Geld zu Hause sichtbar (beispielsweise mit Budgetieren mittags am Küchentisch und nicht abends, wenn dein Kind im Bett ist).
  • Rede über deine Geld-Entscheidungen (warum hast du eine Sache gekauft oder dich dagegen entschieden).
  • Zeig deinem Kind dein Aktiendepot und zählt zusammen mal die roten und grünen Positionen.

Diese Handlungen werden sich positiv auf dein Kind auswirken. Du vermittelst, dass Geld dir wichtig ist. Nur wer sein Geld im Griff hat und sich darum kümmert, kann ein Vermögen aufbauen.

Im dritten Schritt überlegst du dir, welche Geld-Themen du mit deinem Kind zusammen umsetzen kannst.

  • Sprecht gemeinsam über Geld und die Träume und Wünsche, die ihr euch mit Geld erfüllen möchtet. Redet aber auch über die Steuerrechnung, die Vor- und Nachteile von Krediten, den Stand eurer Sparziele, über die nächsten Ferien, die nächste Aktie oder mögliche Investition und so weiter. Alltagsbeispiele gibt es genügend.
  • Sucht euch ein gemeinsames Sparziel (zum Beispiel einen schönen Ausflug) und spart gemeinsam dafür.
  • Wenn möglich, zahle deinem Kind ein Taschengeld und lass es selbst die ersten praktischen Erfahrungen mit Geld machen (nähere Informationen dazu am Ende des Artikels).
  • Durch Spenden, etwa an gemeinnützige Organisationen, vermittelst du, dass mit Geld auch Gutes getan werden kann. Das fördert eine positive Einstellung zu Geld.
  • Versuche die Interessen und Stärken deines Kindes zu fördern und auszubauen. Je besser dein Kind die Schnittmenge der folgenden vier Aspekte findet: 1.: Was mache ich gerne? 2.: Was kann ich richtig gut? 3.: Was braucht die Welt? Und 4.: Wofür kann ich bezahlt werden?, desto eher findet dein Kind Erfüllung im (beruflichen) Leben (japanisches Modell des IKIGAI).
  • Etabliert zu Hause ein sogenanntes «Growth Mindset»: Formuliere Sätze wie «Ich kann das nicht» um zu: «Ich kann es noch nicht – ich werde es aber lernen!»
  • Feiert «Finanzerfolge», zum Beispiel mit einem Erfolgsjournal: Notiert gemeinsam euren Fortschritt und schreibt auf, was ihr gelernt und bereits umgesetzt habt. Dies fördert die Motivation, das eigene Selbstvertrauen und das Selbstwertgefühl. Geldthemen können und dürfen nämlich auch Spass machen.
Simone Hoffmann
Nur wer sein Geld im Griff hat und sich darum kümmert, kann ein Vermögen aufbauen.

«Girls' Empowerment» mit dem Kaleio-Magazin

Eine super Quelle und Inspiration zur Mädchenförderung ist das Schweizer Magazin «Kaleio» für Mädchen im Alter von 8 bis 13 Jahren. Anders als in anderen Mädchenzeitschriften geht es um viel mehr als nur um Beauty, Hollywoodstars und Klamotten. Alle Themen werden kindgerecht und mit einer schönen und angemessenen Tiefe aufbereitet. «Kaleio» will Mädchen fördern, stärken und vernetzen – damit sie gross werden, ohne sich klein zu machen!

Taschengeld mit «simosackgeld»

Du suchst nach einem Sackgeld-Konzept, das von Beginn an gute Geldgewohnheiten vermittelt? Ich und meine Familie leben zu Hause das Sackgeld-Modell, angelehnt an das Buch «Rich Kid, Smart Kid» von Robert Kiyosaki.

Mein Sohn (sechs Jahre alt) hat drei Spardosen: Investieren, Sparen, Gutes tun – und den Geldbeutel zum Ausgeben.

Dieses Modell deckt für mich alle Facetten eines guten Geldmanagements ab, und mein Sohn lernt direkt, dass Geld eben nicht nur zum Ausgeben da ist, sondern auch vermehrt werden kann. Die Einnahmen, Ausgaben, Sparstände, Lernwünsche sowie finanzielle und sonstige Erfolge halten wir zudem schriftlich fest. So behält er stets die Kontrolle über sein Geld, und er entwickelt direkt ein «Growth Mindset».

Wenn du unsicher bist, wie du mit dem Sackgeld starten kannst, dann melde dich gerne zu meinem Newsletter an und erhalte den «6 Schritte Plan zur Einführung von Taschengeld» kostenlos dazu. Alle Informationen findest du auf meiner Website simosackgeld.ch oder auf meinem Instagram-Account simosackgeld.

Je mehr du dich deiner Geldthemen annimmst und je mehr du von Finanzen verstehst, desto mehr profitierst du, aber auch dein Kind! Je besser du die Finanzthemen, ein positives Money-Mindset und gute Geldgewohnheiten verinnerlichst, desto eher kannst du diese an dein Kind weitergeben und als gutes Finanz-Vorbild dienen.