Mikroplastik begleitet uns auf Schritt und Tritt. Wir treten ihn mit unseren Schuhsohlen in die Natur. So gelangen in der Schweiz jährlich Hunderte Tonnen kleinster Plastikpartikel in die Umwelt - ein Grossteil davon endet im Boden oder in unseren Gewässern. Diesem Problem sagt Sarah Harbarth mit ihrem Projekt KUORI den Kampf an. «Unser Ziel ist es, ein biologisch abbaubares Material in der Schuhsohle zu verwenden. Dies wäre wahre Kreislaufwirtschaft», sagt sie.

Foto Credits: Alina Saladin

Total Banane

Das Projekt kam während eines Austauschsemesters in Berlin ins Rollen. In einem Kurs für Materialdesign erhielt die damalige Studentin den Auftrag, ein neues Material zu erfinden. «Dazu habe ich mir meinen eigenen Müll angeschaut und festgestellt, dass wir einen Drittel der Banane, die Schale, wegschmeissen.» Dieses organische Abfallprodukt nutzte Harbarth für erste Experimente. Als sie ihre Ergebnisse nach wenigen Wochen an der Hochschule der Künste in Berlin ausstellte, stiessen diese auf grosses Interesse. Es folgten Anfragen für Awards und Messen. KUORI, was auf finnisch «Schale» bedeutet, war geboren.

Sarah Harbarth
Als kreative Person habe ich täglich Ideen. Meine Träume und Visionen zu verwirklichen, hatte für mich schon immer eine sehr hohe Priorität.

Zurück in der Schweiz verfolgte Harbarth das Materialforschungsprojekt im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) weiter. Das positive Echo auf das Projekt trieb sie letztlich dazu an, sich direkt nach dem Studium in die Selbstständigkeit zu wagen. «Als kreative Person habe ich täglich Ideen. Meine Träume und Visionen zu verwirklichen, hatte für mich schon immer eine sehr hohe Priorität.»

Foto Credits: Sarah Kim Harbarth & Alina Saladin

Raus aus den Kinderschuhen

In der Zwischenzeit ist das «Projekt» zu einem 12-köpfigen Team herangewachsen, welches fünf Vollzeitpensen abdeckt. «Wir sind ein junges Team, welches Kompetenzen in Design, Materialwissenschaft, Management und Nachhaltigkeit vereint», sagt Harbarth. Dieses Team forscht aktuell an der Anwendbarkeit eines biologisch abbaubaren Materials in der Schuhsohle. Dazu werden Bananenschalen und andere organische Abfallstoffe in ein Bio-Polymer eingesetzt, welches die typischen Eigenschaften eines Kunststoffes aufweist.  

Der Vorteil dieses Materials ist, dass es nach Gebrauch wieder in den biologischen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Das Upcycling organischer Restprodukte wie Bananenschalen ermöglicht also nicht nur Mikroplastik-Emissionen, sondern auch Abfallmengen zu reduzieren. Allein in der Schweiz werden jährlich über 100’000 Tonnen Bananen importiert, die eine grosse Menge organischer Abfall verursachen. «Als Produktdesignerin ist es mir wichtig, dass Nachhaltigkeit bereits im ersten Prototyp integriert wird», betont Harbarth.

Sarah Harbarth
Die Schuhindustrie ist sehr traditionell. Für konventionelle Schuhsohlen werden Materialien verwendet, die sich erst nach Jahrzehnten zersetzen.
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Mit ihrem Projekt will die 25-Jährige aber auch Aufklärungsarbeit leisten: «Die Schuhindustrie ist sehr traditionell. Für konventionelle Schuhsohlen werden Materialien verwendet, die sich erst nach Jahrzehnten zersetzen.» Nicht nur den Schuhmarkt revolutionieren, sondern ein allgemeines Umdenken anstossen, weg vom linearen Prinzip «take, make, waste»: Das erhofft sich Harbarth mit KUORI. «Das Start-Up soll ein Vorzeigemodell sein, wie der kreislauffähige Gedanke bereits in die Konzeption von Produkten integriert werden kann», sagt sie.

Foto Credits: Sarah Kim Harbarth & Alina Saladin

Rein ins Unternehmertum

Letztes Jahr konnte das Team von KUORI innerhalb weniger Wochen Jurys vom Creative Hub Switzerland, Innovation Basel und dem Impact Hub Basel überzeugen und somit Preisgelder abräumen. Die Forschungsarbeiten werden zudem von Geldern der Gerbert Rüf Stiftung gefördert. Diese finanzielle Unterstützung erlaubt es Harbarth, sich selbst und allen anderen Teammitgliedern einen Lohn auszuzahlen. «Mein wichtigstes Learning bisher ist es, dass ein Start-Up nicht im Teilzeitmodus funktioniert. Deshalb ist es für mich ein riesiges Privileg, dass ich mich vollumfänglich dem Projekt widmen kann und doch über die Runden komme», sagt Harbarth.

Obwohl KUORI noch kein gegründetes Unternehmen ist, sieht sich Harbarth bereits jetzt mit den klassischen Herausforderungen einer Jungunternehmerin konfrontiert. Momentan befasse sie sich weniger mit Design, sondern mit strategischen Fragen rund ums Thema Wachstum und Finanzierung. Grund dafür ist ein grosser Schritt, der für KUORI demnächst ansteht. Harbarth verrät: «Wir möchten dieses Jahr aus dem Projekt KUORI ein Unternehmen gründen und eine Pre-Seed Finanzierungsrunde starten.» Sie steht deshalb  schon mit einigen Venture Capital Funds und Business Angels im Kontakt. Leider gäbe es aber gerade in der Schweiz sehr wenige Frauen, die in Start-Ups investieren. «Es wäre grossartig, wenn wir eine weibliche Angel-Investorin finden würden, die Nachhaltigkeit leben und fördern möchte.» Interessentinnen finden hier weitere Informationen zu KUORI.