Persönlichkeit
KnauserigGrosszügig
Sparer:inInvestor:in
HaushaltsbuchBauchgefühl
CashDigital Payment
SparkontoAktien
Hintergrund
Alter:40
Kinder:2
Ort:Luzern und Zug
Beruf:Paar- & Psychotherapeutin, Psychologische Beraterin in Unternehmen
Einkommen:-
Schulden:keine
Grösster Ausgabeposten:Auto, Essen und Trinken, Reisen
Vermögen:ein eigenes kleines Unternehmen

Welches Gefühl löst bei dir Geld aus?

Wenn ich mir das so genau überlege, habe ich ein sehr zwiespältiges Verhältnis zu Geld. Es ist eine Art Hass-Liebe. Ich komme aus einer «Büezer-Familie», und meine Mutter war alleinerziehend. Geld war bei uns also immer ein Thema, weil es knapp war. Heute habe ich das Glück, dass ich nicht so stark aufs Geld schauen muss. Das in Kombination mit meiner Selbstständigkeit führt aber dazu, dass ich oftmals gar nicht genau weiss, wie viel Geld ich gerade habe. Insbesondere mit all diesen digitalen Zahlungsmethoden wie Twint verliere ich schnell den Überblick, was reinkommt und rausgeht. Und dann gibt es noch ganz viele Finanzthemen, um die ich mich längst kümmern sollte. Ich finde es bei Finanzen aber schwierig, mich zu entscheiden, wem ich vertrauen kann, an wen ich mich wenden soll und so weiter. Geld ist auch intim. Ich muss unbedingt elleXX genauer anschauen.

Wie wurdest du in Sachen Geld geprägt?

Geld zu haben bedeutet, Zugang zu einer höheren sozialen Schicht zu haben. Das prägt mich bis heute sehr stark. Mir ist es sehr wichtig, dass ich allen Leuten gleich begegne, egal aus welcher Schicht sie kommen. Und trotzdem ist es schon spannend, auch aus psychologischer Sicht, wie schnell wir unbewusst jemanden einer Schublade zuordnen, basierend auf der Kleidung, wie jemand spricht, wo jemand herkommt, was für ein Auto jemand fährt und so weiter.

Inwiefern hat dich deine Ausbildung zur Psychologin in Bezug auf Geldthemen geprägt?

Explizit war Geld bei uns im Psychologiestudium nie ein Thema. In der Therapieausbildung sind wir aber unseren Prägungen und Wertvorstellungen in Bezug auf Geld nachgegangen. Da ging es auch um unsere Familienstränge, also um unsere Herkunft, die uns in Bezug auf Geld geprägt haben. Bei mir mussten beide Elternteile hart für ihr Geld «chrampfen». Bei mir löst dieser Ahnen-Rucksack aber auch eine Zuversicht in Bezug aufs Geld aus. Nach dem Motto: Es geht am Ende immer irgendwie auf.

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Sinnvoll vorsorgen? Aber mit Rendite. Das geht. Wir sind überzeugt, dass ein verantwortungsbewusster Einsatz deines Geldes langfristig Wert schafft, ganz nach unserer Vision «Close the Gaps». Wenn du erwerbstätig bist, kannst du dich mit der elleXX 3a zusätzlich finanziell absichern, nachhaltig investieren und damit Steuern sparen.

Ist Geld für dich privat ein Tabuthema?

Ich rede schon über Geld, aber nicht sehr explizit – über meinen Lohn oder wie viel ich an einem Auftrag verdiene, darüber spreche ich nicht im Detail. Für mich ist das schon etwas sehr Privates, und ich finde, Geld kann auch viel kaputt machen.

Inwiefern?

Ich denke, wenn man weiss, wie viel Geld jemand hat, denkt man anders über diese Person oder setzt sie in einen anderen Rahmen, als wenn man es nicht weiss. Sagen wir zum Beispiel, ich erzähle jemandem, dass ich mit einem Auftrag 50‘000 Franken verdiene. Der oder die denkt sich dann vielleicht: Was, die verdient 50‘000 Franken? Dann geht auch gleich das Kopfkino los mit Neid, Erwartungen, Befürchtungen, Frust und so weiter. Anders, wenn ich sagen würde: Diesen Monat hatte ich kaum Arbeit und bin im Minus. Da werden gleich wieder andere Emotionen wachgerüttelt. Geld setzt einen sofort in einen Kontext – verbunden mit vielen Emotionen.

Wann streitest du privat wegen Geld?

So richtig konkret und offen über Geld rede ich eigentlich nur mit meinem Partner, mit ihm streite ich aber auch schon mal darüber. Früher war Geld in Beziehungen kaum ein Thema für mich. Aber seit der Familiengründung ist Geld für mich auch ein teilweise emotionales Thema geworden. Zwischen Aus- und Weiterbildung, verschiedenen Teilzeitmodellen und kostspieliger Kinderbetreuung muss ständig neu verhandelt und teilweise halt auch zurückgesteckt werden. Wer arbeitet wie viel und verdient wie viel? Zahlen beide gleich viel für das gemeinsame Leben und die Betreuungskosten oder wird anteilsmässig beigesteuert? Das sogenannte «moderne Familienleben» bringt sehr viele Gespräche über Organisation und Geld mit sich, oder auch mal Auseinandersetzungen.

Stefanie Pfister
Laut Studien ist Geld der zweithäufigste Trennungsgrund – gleich nach Untreue. Das Thema Geld ist in einer Partnerschaft also nicht zu unterschätzen, gerade wenn in der Beziehung ein grosses finanzielles Ungleichgewicht besteht.

Wie oft ist Geld in Therapiesitzungen mit deinen Klient:innen ein Thema?

Laut Studien ist Geld der zweithäufigste Trennungsgrund – gleich nach Untreue. Das Thema Geld ist in einer Partnerschaft also nicht zu unterschätzen, gerade wenn in der Beziehung ein grosses finanzielles Ungleichgewicht besteht. Aber häufig entsteht in meiner Erfahrung der Konflikt nicht über das Geld per se, sondern über andere Faktoren.

Zum Beispiel?

In guten Beziehungen sind starke emotionale Bindung und Vertrautheit sehr wichtig. Sonst kann finanzielle Ungleichheit schon bei Konflikten, Unsicherheiten oder Unstimmigkeiten zum Problem werden. Wenn man sich emotional nicht sicher fühlt miteinander, kann es vorkommen, dass sich jemand beispielsweise ausgenutzt fühlt und es unfair findet, dass er oder sie finanziell mehr ausgleichen muss. Handkehrum ist es für den Selbstwert der finanziell schwächeren Person womöglich doppelt ungut, wenn die emotionale Bindung fragil ist. Paare melden sich nicht bei mir wegen dem Thema Geld, sondern wegen diversen Unstimmigkeiten, Verletzungen, Unsicherheiten …

Können Leute, die eine ganz unterschiedliche Einstellung zum Thema Geld haben, eine gute Beziehung führen?

Jein. Ich denke jetzt an Paare, die zusammen wohnen und eventuell gemeinsame Konten führen. Es führt sicherlich zu mehr Streit, wenn die eine Person in der Beziehung spendabel ist und an jeder Ecke etwas kauft oder spendiert und die andere Person ein Sparfuchs ist, Käufe gut überlegt und abwägt. Ich persönlich würde solchen Paaren empfehlen, zumindest einen Teil der Finanzen zu trennen, sodass Klarheit herrscht, wer über welchen Teil frei nach seinem Stil verfügen darf. Wobei man auch sehen muss, dass Geld nicht die einzige Art von Kapital ist.

Stefanie Pfister
Es gibt unterschiedliche Formen von Kapital. Nebst finanziellem Kapital kann auch ein soziales Kapital wie ein soziales Netz oder kulturelles Kapital wie der Ausbildungsstand oder der Selbstverwirklichungs-Status vorhanden sein.

Wie meinst du das?

Es gibt unterschiedliche Formen von Kapital. Nebst finanziellem Kapital kann auch ein soziales Kapital wie ein soziales Netz oder kulturelles Kapital wie der Ausbildungsstand oder der Selbstverwirklichungs-Status vorhanden sein. Im weitesten Sinne vielleicht auch Schönheit. Solche Formen von Kapital können ein finanzielles Ungleichgewicht aufheben. Gerade bei traditionell-bürgerlichen Familien war es ja beispielsweise oft so, dass der Mann das Geld verdient hat, aber die Frau vielleicht das soziale Netz pflegte. Beide trugen so zum Kapital einer Familie bei.

Inwiefern ist Selbstbestimmung in Geldfragen wichtig für unsere Psyche?

Für mich persönlich ist Selbstbestimmung allgemein ein sehr wichtiges Thema. Das hat sicher auch mit meiner Prägung zu tun. In meiner Partnerschaft gibt es nicht einmal ein gemeinsames Konto. Für uns Menschen ist es allgemein wichtig, Kontrolle über Dinge zu haben, Sachen als vorhersehbar zu erleben und uns als kompetent zu erleben. Das kommt sicher auch beim Thema Geld in Beziehungen zum Vorschein.

Ist es auch bei deinen Klient:innen so, dass Geld mehr zum Thema wird, wenn ein Paar eine Familie gründet?

Ja, auf jeden Fall. Davor spielt es oft noch nicht so eine Rolle beziehungsweise ist weniger ein emotional aufgeladenes Thema. Sobald aber Kinder im Spiel sind, hat man als Paar eine gemeinsame Verantwortung und ein gemeinsames Projekt, das häufig auch zu finanziellen Engpässen führt. Bei vielen Paaren ist das der erste grosse Moment in einer Beziehung, wo es wirklich explizit ums Thema Geld geht. Und im Lebenslauf kommt in dieser Zeit ja auch häufig viel zusammen: Bildung, Karriere, Familiengründung, Nestbau …

Spürst du Hemmungen bei deinen Klient:innen, wenn es um Geld geht?

Ja, manchmal beschämt das Thema schon. Bei Paaren meistens auf beiden Seiten, wenn wir von finanziellen Spannungen reden.  Diejenige Person, die sagt, dass Geld ein Thema ist, fühlt sich beschämt, weil Geld ja eigentlich kein Thema sein sollte. Sie fühlt sich dann vielleicht kleinlich oder geizig. Für die andere Person ist es auch schambehaftet. Geld hat viel mit Leistung, Ausbildung und Status zu tun, aber auch mit Identität und deshalb mit Selbstwert. Natürlich gibt Geld allein keinen Selbstwert, aber es ist häufig komplex verknüpft.

Stefanie Pfister
Ich glaube, am Schluss ist Geld in Paarkonflikten häufig ein Thema. Es spielt immer irgendwo ein bisschen eine Rolle, aber ist mit viel tieferen Themen verknüpft. Geld ist eben nur die Spitze des Eisberges.

Führen Geldthemen oft zu Krach in der Beziehung?

Ich glaube, am Schluss ist Geld in Paarkonflikten häufig ein Thema. Es spielt immer irgendwo ein bisschen eine Rolle, aber ist mit viel tieferen Themen verknüpft. Geld ist eben nur die Spitze des Eisberges. Gleiches gilt für Themen wie Sex oder Untreue. Darunter liegt noch viel mehr.

Wie meinst du das?

Sagen wir zum Beispiel, jemand ist 50 Jahre alt und verliert seinen Job und damit auch ein bisschen seinen sozialen Status. Das kann zu Selbstzweifeln in der Beziehung führen. Dann kommen plötzlich Fragen auf wie: Bleibt mein:e Partner:in bei mir, wenn ich kein Geld mehr habe? Ich glaube, bei vielen Lebensfaktoren kann Geld ein Thema sein, das Angst auslöst.

Werden deshalb viele Menschen emotional und verletzlich, wenn es um Geld geht?

Geld kann zum Beispiel Angst auslösen, nicht gut genug zu sein oder etwas zu verlieren oder nicht dazuzugehören. Geld kann auch Ohnmacht auslösen. Vor allem Frauen der älteren Generation, die waren oder sind teilweise in einer ohnmächtigen Situation und oft auch wirtschaftlich gefangen in Beziehungen. Diese Frauen mussten dann vielleicht unangenehme Situationen aushalten, weil sie wegen dem Geld in der Beziehung bleiben mussten.

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Sexismus, Mobbing, Lohnungleichheit am Arbeitsplatz? Absolute No-Gos, dennoch nehmen es viele Frauen hin. Das darf nicht sein. Deshalb ist es höchste Zeit für eine Rechtsschutzversicherung von Frauen für Frauen. Wehr dich.

Stellst du da zwischen jüngeren und älteren Paaren Unterschiede fest?

Bei älteren Paaren geht es oftmals beim Übergang zur Pensionierung um Geld. Wer hat wie viel investiert, damit es jetzt gemeinsam für eine gute Pension reicht? Gerade bei älteren Paaren, die einen traditionell-bürgerlichen Weg gewählt haben, kommen dann manchmal nochmals alte Themen auf. Wenn ein Paar zu mir kommt und nach mehreren Sitzungen klar wird: Hier gehts eigentlich nicht ums Geld,  sondern darum, dass der Mann vor zehn Jahren mal eine Affäre hatte und die Frau machtlos war, weil sie finanziell abhängig von ihm war. Das kommt Jahre später nochmals auf, wenn es wieder um Machtverhältnisse im weitesten Sinne geht und um Vertrauen und materielle Sicherheit.

Wie gelingt es, in der Partnerschaft sinnvoll über Geld zu sprechen?

Wie gesagt, Geld ist die Spitze des Eisberges. Es macht Sinn, darüber nachzudenken: Wie bin ich geprägt worden in Bezug auf Geld? Wie ging man in meinem Elternhaus mit Geld um? Was sind meine Ängste im Umgang mit Geld? Was bedeutet mir Geld im Alltag? Zu was gibt mir Geld Zugang, oder welcher Zugang könnte mir verwehrt werden, wenn ich weniger Geld habe? Wer bin ich mit und ohne Geld? Und was schätze ich an meinem Gegenüber abgesehen von Geld und Status? Das sind wichtige Punkte. Und auch: Wo ist es mir wichtig, Geld zu investieren?  Möchte ich unser Geld für etwas ausgeben, das uns Erinnerungen schafft, etwa eine Reise – statt in Aktien zu investieren oder umgekehrt?

Stefanie Pfister
Die Art, wie wir Liebe zeigen und auch erwarten, ist sehr unterschiedlich.

Was sagt unser Verhältnis zu Geld über uns als Partner:in aus?

Die Art, wie wir Liebe zeigen und auch erwarten, ist sehr unterschiedlich. Es gibt zum Beispiel Menschen, die ihre Liebe mit Geschenken ausdrücken und auch erwarten, dass sie vom Partner oder der Partnerin Geschenke bekommen. Andere sehen Zweisamkeit und Zeit zu zweit als einen Ausdruck von Liebe. Zum Beispiel sich in den gemeinsamen Ferien einander hingeben oder gemeinsamen Hobbies nachgehen. Dann gibt es Menschen, die ihre Liebe in praktischer Fürsorglichkeit und Hilfsbereitschaft ausdrücken. Andere wiederum schenken Lob und Anerkennung oder Zärtlichkeit als Zeichen der Liebe. Letztere haben weniger mit Geld zu tun. Wenn Paare diese unterschiedlichen Sprachen der Liebe des Gegenübers nicht verstehen, dann kann es schwierig werden. Wenn jemand Geschenke erwartet und der andere ein Sparfuchs ist, dann denkt die eine Person vielleicht, die andere liebt sie zu wenig. Kann man diesen Wünschen und Erwartungen und den damit verknüpften Emotionen gemeinsam auf den Grund gehen, ergibt sich daraus ein anderes Level von Verständnis.

Stefanie Pfister
Geld allein macht uns nicht glücklich, aber Geld kann einem den Zugang zu vielen Dingen ermöglichen oder eben verwehren.

Inwiefern macht uns Geld glücklich?

Geld allein macht uns nicht glücklich, aber Geld kann einem den Zugang zu vielen Dingen ermöglichen oder eben verwehren.

Und inwiefern macht es uns unglücklich?

In meinem Beruf habe ich das Glück, in verschiedene Lebensmodelle und -geschichten einzutauchen sowie unterschiedliche soziale Schichten zu sehen. Wenn du gar kein Geld hast, macht das nicht zwingend unglücklich, aber du hast zu vielen Dingen keinen Zugang. Du kannst dir zum Beispiel kein Fitness-Abo leisten, keinen Kaffee auswärts trinken gehen – du kannst viele soziale Aktivitäten nicht machen. Und dadurch wirst du von der Gesellschaft schon bis zu einem gewissen Grad ausgeschlossen und ausgegrenzt. Das ist wiederum für die psychische Gesundheit wiederum relevant.

Und bei reicheren Leuten?

Ich glaube, ob Geld uns glücklich oder unglücklich macht, hat einerseits mit unseren inneren Werten zu tun, aber auch mit dem, was uns nebst Geld noch bleibt. Es kann zum Beispiel vorkommen, dass Menschen extrem und vor allem nach Geld streben und dadurch auch einen Pseudo-Selbstwert bestimmen. In diesem Beispiel arbeiten Menschen dann so viel und identifizieren sich so fest mit ihrem Geld, dass sie ihr soziales Umfeld vergessen. Diese Menschen können sehr einsam werden oder sich leer fühlen, während sie immer nach mehr streben. Andererseits erlebe ich auch reiche Leute, die glücklich sind. Das Geld macht sie zufrieden, vielleicht auch stolz. Aber glücklich sind sie oft eher, weil sie in einer guten Partnerschaft leben, eine tolle Familie haben oder sonst einen Faktor im Leben haben, der sie erfüllt.