Persönlichkeit
KnauserigGrosszügig
Sparer:inInvestor:in
HaushaltsbuchBauchgefühl
CashDigital Payment
SparkontoAktien
FrankenBitcoin
Hintergrund
Alter:35
Kinder:1
Ort:Zürich
Beruf:Journalistin, Gründerin Elephant Stories
Einkommen:Sehr schwankend wie bei allen Selbstständigen. Vor der Geburt meines Sohnes eher hoch, jetzt gerade deutlich niedriger. Früher in guten Phasen über 100’000 Franken im Jahr.
Schulden:keine
Vermögen:das eigene Geschäft, dritte Säule, Sparkonto

Welche Gefühle löst Geld bei dir aus?

Geld ist für mich sehr eng mit meiner Eigenständigkeit verknüpft. Als Teenager habe ich den Sommer über in einer Textilfabrik gejobbt und mir mit dem Geld Festivaltickets oder Kleider gekauft, die meine Mutter mir nicht kaufen wollte (lacht). Das ist eine meiner frühesten Erinnerungen an eigenes Geld. Bei meinem ersten richtigen Job als Erwachsene habe ich dann plötzlich relativ viel verdient.

Erzähl.

Ich wollte eigentlich noch einen Master machen, bin dann aber nach meinem Bachelor über ein Praktikum bei der Süddeutschen Zeitung gelandet und habe dort ein Volontariat absolviert. Meine erste Anstellung danach war als Korrespondentin, ich war 26 und habe etwas mehr als 7000 Franken im Monat verdient. Das war sehr viel für mich, ich kam damals aus Deutschland in die Schweiz und war mir ganz andere Löhne gewohnt.

Charlotte Theile
Seit ich meinen Sohn habe, sehe ich, für wie viel Quatsch man viel Geld ausgeben könnte.

Was hast du dir als erstes davon geleistet?

Eine teure Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio. Die hat 1200 Franken jährlich gekostet, daran kann ich mich noch genau erinnern. Aber ich habe das auch ein bisschen als Selfcare angesehen, so ganz klassisch: erst den ganzen Tag arbeiten und dann spätabends Sport und Sauna. Wenn ich mich an meine erste Zeit in Zürich erinnere, dann muss ich immer auch an diese Stunden im Gym denken.

Später warst du selbstständige Journalistin. Wie hast du dich finanziell auf diese Zeit vorbereitet?

In Deutschland hatte ich das Glück, dass man einen Gründungszuschuss beantragen kann, wenn man sich selbstständig machen will. Wenn der genehmigt wird, erhält man sechs Monate lang ungefähr 80 Prozent seines vorherigen Verdienstes und hat dadurch genug Zeit, um Boden unter die Füsse zu kriegen. Für mich war das extrem wertvoll. So konnte ich mich ohne Druck als freie Journalistin etablieren und musste nicht jeden Auftrag annehmen. Das rettet dich auch davor, deinen eigenen Lohn zu dumpen: Wenn du von Anfang an Honorare aushandeln kannst, wirst du auch künftig eher so bezahlt. Was mir aber auch wichtig war, ist, dass ich früh mit der Altersvorsorge angefangen habe. Ich habe eine dritte Säule, seit ich voll verdiene, und habe auch irgendwann angefangen, zusätzlich in Aktien und Kryptowährungen zu investieren.

Das ist – leider – eher untypisch für Frauen. Wie kam's dazu?

Meine Eltern hatten einen eher lockeren Umgang mit Geld. Ich hatte zwar nie das Gefühl, dass es mir an etwas Grundlegendem fehlt. Aber ich habe schon gemerkt, wenn das Geld mal knapp war. Etwa, wenn nach einem teuren Umzug plötzlich gespart werden musste oder so. Ich wusste aber auch: Das ist jetzt nicht so, weil meine Eltern zu wenig verdienen, sondern eher weil ... naja, weil das Management nicht ganz optimal war. Mir war daher von Anfang an wichtig, dass ich es anders mache – und zum Beispiel vorsorge oder bewusst investiere.

Du bist in Ostdeutschland aufgewachsen. Inwiefern hat das deinen Umgang mit Geld beeinflusst?

Meine Mutter ist Deutsche und mein Vater Schweizer. Beide haben ein ziemlich unterschiedliches Ausgabeverhalten. Zugespitzt könnte man sagen: Meine Mutter ist lange per Anhalter zur Arbeit gefahren. Mein Vater nimmt gerne mal ein Taxi. Ich selber bin irgendwo dazwischen.

Wofür gibst du denn gerne Geld aus?

Für ein schönes Nachtessen oder ein richtig tolles Hotelzimmer in den Ferien.

Charlotte Theile
Mich hat es sehr beschäftigt, dass Geld unter Umständen der absolut entscheidende Faktor ist, ob es klappt mit dem Kinderwunsch oder nicht.

Und wofür gar nicht?

Hmm, das ist schwierig. Seit ich meinen Sohn habe, sehe ich, für wie viel Quatsch man viel Geld ausgeben könnte. Seine Kinderkleider haben wir zum Beispiel fast alle secondhand von Freunden und Verwandten bekommen. Das war wirklich toll. Und praktisch – er ist erst wenige Monate alt und trägt sie sowieso nicht lange. Da sehe ich nicht ein, viel dafür auszugeben.

Du und dein Partner habt euren Sohn mittels künstlicher Befruchtung bekommen. Wie viel hat euch das gekostet?

Alles in allem waren das ungefähr 20’000 Franken. Die Krankenkasse zahlt nur gewisse Behandlungen, die vor allem bei leichten Fruchtbarkeitsstörungen helfen können. Wir waren aber ein schwerer Fall und brauchten mehrere ICSI-Behandlungen. Und was man nicht mit Geld aufwiegen kann, sind die psychischen und körperlichen Belastungen, die das alles mit sich bringt. Die entsprechenden Hormonbehandlungen sind extrem aufwendig – und waren bei uns der entscheidendere Faktor, dass wir nach zwei Jahren gesagt haben: Das ist jetzt unser letzter Versuch. Wenn es wieder nicht klappt, müssen wir uns von dem Gedanken verabschieden, biologische Kinder zu haben. Zum Glück bin ich dann bei diesem letzten Versuch schwanger geworden.

Charlotte Theile
Was man nicht mit Geld aufwiegen kann, sind die psychischen und körperlichen Belastungen, die das alles mit sich bringt.

Musstet ihr darauf sparen?

Nein, wir hatten das grosse Glück, dass wir den Betrag zur Verfügung hatten. Ich habe im Internet eine Frau aus Irland kennengelernt, die ihren Embryo am genau gleichen Tag eingesetzt bekam wie ich. Bei ihr hat es auch geklappt. Doch ihr Weg davor war ganz anders: Sie musste nach dem ersten Versuch ganze vier Jahre sparen, damit sie sich nochmals eine künstliche Befruchtung leisten konnte – und war dann bereits 39. Das ist natürlich noch jung genug, um Mutter zu werden. Aber: Mich hat es sehr beschäftigt, dass Geld unter Umständen der absolut entscheidende Faktor ist, ob es klappt mit dem Kinderwunsch oder nicht.

Findest du, die Krankenkasse müsste mehr übernehmen?

Nein. Natürlich ist es unfair, wenn die einen einfach so schwanger werden und die anderen auch nach vielen teuren und schmerzhaften Versuchen keinen positiven Test in der Hand halten. Andererseits gibt es auch viele andere Gründe, warum es mit dem Kinderwunsch schwierig werden kann – vielleicht findet man einfach niemanden, mit dem man sich vorstellen kann, eine Familie zu gründen. Oder man fühlt sich körperlich oder seelisch nicht in der Lage, für ein Kind da zu sein. In Deutschland tragen die Krankenkassen in vielen Fällen die Hälfte der Kosten. Die Ausschlusskriterien sind für mich aber recht unfair.

Weshalb?

Es werden nur verheiratete Heteropaare zwischen 25 und 40 Jahren (bzw. 50 Jahren bei den Männern) finanziell unterstützt. Alle anderen müssen sparen, Schulden machen – oder ihren Kinderwunsch begraben. Wenn man jetzt im Umkehrschluss sagt, alle Kinderwunschbehandlungen sollten von der Allgemeinheit bezahlt werden, steht man sofort vor neuen Fragen: Was ist mit Paaren, die gerne fünf Kinder hätten? Mit Frauen, die mit 60 noch Mutter werden wollen? Mit Menschen, die selbst an ihrer Unfruchtbarkeit «schuld» sind, weil sie zum Beispiel in einer früheren Beziehung eine Vasektomie haben durchführen lassen? In Bezug auf künstliche Befruchtung müssten sich andere Dinge ändern, finde ich.

Was zum Beispiel?

Es kann doch nicht sein, dass Samenspenden erlaubt sind, Eizellenspenden aber nicht. Das muss sich dringend ändern. Ohnehin gibt es keinen Grund, warum Heteropaare anders behandelt werden sollten als Regenbogenfamilien.

Noch ein kleiner Lichtblick zum Schluss: Worauf sparst du?

Wir haben ein kleines Elektroauto, das zu zweit wirklich super war. Aber jetzt mit der Babyschale ist es wirklich mega mühsam, dass sich die hinteren Türen nur öffnen lassen, wenn die vorderen Türen auch auf sind ... Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich mir in den letzten Monaten den Kopf gestossen habe (lacht). Ein grösseres E-Auto ist also definitiv etwas, was wir uns in Zukunft gerne leisten wollen. Und natürlich: In die Storytelling-Agentur «Elephant Stories», die ich 2021 gegründet habe, investiere ich auch immer wieder. Das ist zwar nicht Sparen im eigentlichen Sinn – aber für mich auch eine schöne Art, in die Zukunft zu denken.

Wie viel kostet es, ein Kind zu bekommen, Anna Raggi?
Als Reproduktionsmedizinerin weiss Anna Raggi, wie weit Menschen bereit sind, für ihren Kinderwunsch zu gehen. Und welche Rolle Geld dabei spielt.