Persönlichkeit
KnauserigGrosszügig
Sparer:inInvestor:in
HaushaltsbuchBauchgefühl
CashDigital Payment
SparkontoAktien
FrankenBitcoin
Hintergrund
Alter:44
Kinder:1
Ort:Hombrechtikon
Beruf:Entertainerin
Grösster Ausgabeposten:2500 Fr. Miete (4.5-Zimmer-Wohnung)

Wie muss ich mir deine derzeitige Geldsituation vorstellen?

Ich lebe zurzeit von meinem Ersparten. Seit eineinhalb Jahren bin ich im Überlebensmodus. Ich lebe von dem, was ich hart gespart habe, um ein Eigenheim zu kaufen. Das wäre meine Vorsorge gewesen. Ja, ein eigenes Heim, das wäre der Plan gewesen. Vor der Pandemie wären es noch zwei Jahre gewesen, die ich hätte sparen müssen. Jetzt wird es länger dauern.

Ich lebe zurzeit von meinem Ersparten. Seit eineinhalb Jahren bin ich im Überlebensmodus.

Die Pandemie kam dazwischen?

Ja, es ist prekär. Die Kultur ist nicht systemrelevant. Wir Comedians haben keine Lobby, keinen Dachverband. Ich habe bis heute massive Erwerbseinbussen und musste meine Mitarbeiterin entlassen. Das Jahr 2020 war noch einigermassen in Ordnung. Da gab es Hilfspakete für uns, wobei Galas, Moderationen und so weiter ja nicht als Kulturgut gelten. Ich konnte nur die Tour geltend machen, die ausgefallen ist. Fair und wünschenswert wäre es doch gewesen, 60 bis 70 Prozent des Einkommens zu garantieren.

Immerhin bis im März letzten Jahres habe ich ja noch auf Hochtouren gearbeitet und es lief bestens. Aber dieses Jahr ist es viel schwieriger. 2021 ist das Geschäft gegenüber vor der Pandemie um 40 Prozent eingebrochen. Der Bund ändert die Regeln ständig. Die Unterstützung läuft voraussichtlich Ende Jahr aus und niemand weiss so recht, wie es weitergeht. Da ist viel Unsicherheit. Angst oder gar Verzweiflung können Überhand nehmen. Man muss aufpassen, dass man nicht in eine Abwärtsspirale gerät.

Hast du nie über einen Jobwechsel nachgedacht?

Das, was ich mache, ist ein ehrenwerter Beruf. Ich werde nicht auf einen Plan B setzen, nicht nach all dem, was ich mir so mühsam aufgebaut habe. Ich habe in der Pandemie-Zeit eine neues Keynote-Referat, ein Coaching-Angebot entwickelt und eine neue Homepage lanciert.

Das, was ich mache, ist ein ehrenwerter Beruf. Ich werde nicht auf einen Plan B setzen, nicht nach all dem, was ich mir so mühsam aufgebaut habe.
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Sinnvoll vorsorgen? Aber mit Rendite. Das geht. Wir sind überzeugt, dass ein verantwortungsbewusster Einsatz deines Geldes langfristig Wert schafft, ganz nach unserer Vision «Close the Gaps». Wenn du erwerbstätig bist, kannst du dich mit der elleXX 3a zusätzlich finanziell absichern, langfristig investieren und damit Steuern sparen.

Warum machst Du nicht mehr Influencer-Marketing? Das wäre doch lukrativ?

Diese Art von Käuflichkeit spricht mich nicht an. Mich irritiert und fasziniert das Influencer-Marketing seit jeher. Ich habe ehrlich gesagt gehofft, dass die Influencer:innen irgendwann wieder verschwinden. Für mich ist das unglaubwürdig und irritierend, wenn Promis für Tausend verschiedene Dinge werben. Mikro-Influencer werden teilweise auch miserabel bezahlt. Exklusivität ist mir wichtig. Ich arbeite gerne langfristig und strategisch mit Firmen zusammen.

Wenn ich einen Werbevertrag eingehe, dann binde ich mich gerne für mindestens zwei Jahre. Vielleicht lebe ich einfach noch nach anderen Werten.

Ich habe ehrlich gesagt gehofft, dass die Influencer:innen irgendwann wieder verschwinden.

Mich interessiert deine Geldgeschichte: Wann hast du angefangen, eine Beziehung zu Geld zu entwickeln?

Meine Eltern haben sich scheiden lassen. Deswegen bin ich bereits mit 16 Jahren ausgezogen. Ich bin mit den Alimenten, dem Mini-Lohn als Zahnarztgehilfin in eine winzige, schäbige Wohnung gezogen, aber für mich war dies das Paradies und Freiheit. Ich kam damit gut zurecht und dann änderte sich alles mit der Wahl zur Miss Schweiz.

Dann kam doch das grosse Geld?

Vermeintlich. Da gab es natürlich dieses Peugeot Cabriolet 306, den ich gewonnen hatte, was ich mit 17 Jahren ja gar noch nicht fahren durfte. Ich verdiente damals 150’000 Franken. Das Management verlangte insgesamt 30 Prozent Provision. Ich war einfach ein Produkt, das man ein Jahr lang vermarktete. Ich wurde zu wenig beraten und einbezogen. Die dazu gehörige Karriereplanung gab es nicht. Und danach? Nach einem Jahr Rummel und Scheinwerferlicht kommt die neue Miss Schweiz und Dein Leben soll wieder normal weitergehen.

Ich war einfach ein Produkt, das man ein Jahr lang vermarktete.

Was es nicht tat?

Nein. Als Miss Schweiz verlierst du jegliche Relation zu Geld. Auch danach wird einem viel versprochen, selten etwas gehalten und am liebsten soll man so viel wie möglich gratis machen und dies zu minimalistischen Gagen. Auch grosse Anbieter zahlen teilweise lächerliche Gagen. Wertschätzung sieht anders aus. Ich kenne Existenzängste, aber ich habe über all die Jahre gelernt, damit gut umzugehen. Auch wenn ich lange als Miss Schweiz belächelt wurde, habe ich mir letztlich als Comedienne einen Namen gemacht.

Als Miss Schweiz verlierst du jegliche Relation zu Geld.

Das hat allerdings gedauert?

Ja, ganze 15 Jahre lang. Ich habe 15 Jahre viel gearbeitet und alles investiert. Was schätzt du: wieviel kostet so eine Show?

Du bist Solo-Entertainerin, hm, ehrlich gesagt nein.

Meine letzte Show "Aufbruch" kostete 40'000 Franken. Das sind die reinen Produktionskosten, meinen Lohn für Konzeption, das Script und so weiter sind da nicht mit eingerechnet. Ich hatte eine Mitarbeiterin, die das ganze Tour-Management organisierte, die ich entlöhnen musste und durfte. Zu jedem Auftritt fielen zusätzlich noch Technikkosten an. Dies alles muss ich erst einmal wieder einspielen. Von der Tour alleine hätte ich viele Jahre nicht leben können. Ein Drittel des Einkommens waren bei mir deshalb immer Moderationen und Galas, ein weiterer Drittel andere Auftritte wie Keynote-Referate.

Wie kalkulierst du?

Vor der Pandemie rechnete ich mit 70 Prozent Auslastung. Oft waren wir ausverkauft. Bei den Theatern sehen die Deals so aus: 60 Prozent für die Künstlerin, 40 Prozent für das Theater. Ein Techniker inklusive Spesen kostet für jede Show 1000 Franken, dazu kommen meine Fahrtspesen und der Lohn der Mitarbeiterin. Das ergibt eine Summe X, dazu muss ich einen Aufschlag, sprich Sicherheitspuffer, hinzuaddieren, üblicherweise etwa 20 Prozent und habe dann den Wert der finalen Ticketpreise. So sehe ich auch, wie lange es dauern wird, bis ich die Show amortisiert habe.

Was war das Resultat?

Für eine Show habe ich drei Jahre Zeit, Gewinn zu generieren. Es brauchte hingegen 12 Jahre, bis ich die Fan-Basis erreicht und mir ein Publikum erspielt habe. Meine Shows sind sehr vielfältig, von Physical Comedy bis hin zu Gesang. Momentan spiele ich exklusiv meine Best of Comedy aus vier abendfüllenden Shows.

Ich wollte immer kommerziell fahren. Natürlich kann man sich auch auf Kleinkultur fokussieren, vor 50 bis 100 Leuten spielen. Aber das war nie mein Ziel.

Es brauchte 12 Jahre bis ich die Fan-Basis erreicht und mir ein Publikum erspielt habe.
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Wo hast du gelernt, diese Business-Pläne zu erstellen?

Für mich war das herausfordernd. Ich habe eine Diskalkulie. Mit Hilfe meines Buchhalters habe ich es mir selber beigebracht. Heute rechnet Excel für mich. Es war 2017 als mein ehemaliges Management von mir getrennt hat, bin ich mit Null Kapital in die Selbständigkeit gestartet. Ich bin von Bank zu Bank gezogen, um einen Kredit zu erhalten. Ich wollte einfach zwei bis drei Monate save sein und deshalb einen Kredit von 15’000 bis 20’000 Franken aufnehmen.

Ich bin von Bank zu Bank gezogen, um einen Kredit zu erhalten.

Und?

Niemand. Keine Bank gab mir einen Kredit. Letztlich war ich persönlich bei der Hausbank und der Filialchef hat mir dann doch einen Kontokorrent gewährt. Wie nett...

Du bist alleinerziehende Mutter, was lehrst du deinem 12-Jährigen in Sachen Geld?

Ich habe ihn früh gelehrt, mit Geld umzugehen, darüber nachzudenken und Ausgaben abzuwägen. Für grössere Aufgaben im Haushalt bezahle ich ihn auch. Ich spreche auch über Schulden. Viele junge Menschen sind heute verschuldet. Ich habe ihm beigebracht, immer 10 Prozent zu spenden und 10 Prozent zu sparen. Am Jahresende schauen wir uns die Organisationen gemeinsam an und er wählt aus. Ich spende selber auch regelmässig, egal wie angespannt meine finanzielle Situation gerade ist.

Ich spende selber auch regelmässig, egal wie angespannt meine finanzielle Situation gerade ist.

Wer hat mit dir über Geld gesprochen?

Was ist Geld? Ich hatte keine Ahnung. Bei uns zuhause wurde selten über Geld gesprochen. Ich habe keinen Umgang mit Geld gelernt. Erst mit meinem ersten Lohn entwickelte ich einen Bezug. Er gab mir einen Wert und zeigte mir, was meine Leistung wert war. Bei meinem Sohn mache ich es nun anders.

Das merken wir! Danke für das offene und mutige Gespräch.