Persönlichkeit
KnauserigGrosszügig
Sparer:inInvestor:in
HaushaltsbuchBauchgefühl
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SparkontoAktien
FrankenBitcoin
Hintergrund
Alter:51
Kinder:3
Ort:Wallisellen
Beruf: Comedienne, Sängerin, Musiklehrerin und Hypnosetherapeutin
Einkommen:Durch Festanstellung im Durchschnitt 3800 Franken/Monat
Schulden:Hypothek auf ein Haus
Grösster Ausgabeposten:Versicherungen, Steuern, Hypothek
Vermögen:Das eigene Haus

Welches Gefühl löst Geld bei dir aus?

Ein beengendes Gefühl.

Wieso?

Ich komme aus Deutschland, meine Eltern sind Teil der Nachkriegsgeneration und haben viel gearbeitet. Reich zu sein und Geld auszugeben war damals verwerflich. Wichtig war eine gewisse finanzielle Sicherheit. Geld hat für mich ganz viel mit Überleben zu tun, und das löst bei mir ein bedrückendes Gefühl aus. Ich bin mit dem Glaubenssatz aufgewachsen, dass man es nur mit harter, unermüdlicher Arbeit zu etwas bringen kann.

Du bist Comedienne und tourst gerade mit deinem zweiten Programm durch die Schweiz. Passen für dich Geld und Humor zusammen?

Ja, sehr. Humor ist für mich nicht gleichbedeutend mit «etwas ins Lächerliche ziehen». Diese Unterscheidung ist mir sehr wichtig. Für mich bedeutet es, dass man die Ernsthaftigkeit des Thema Geldes aus einem anderen Blickwinkel anschauen kann. Ich selbst spreche auf der Bühne aber nicht wirklich über Geld. Es passt einfach nicht in mein Bühnenkonzept.

Chrissi Sokoll
Ich habe so viele Stiftungen angefragt, und keine hat mir Unterstützung gegeben. Ich bekomme derzeit keinen Lohn für meine Arbeit. Und das fühlt sich auf Dauer demütigend an.

Du trittst auch an Firmenevents auf. Wie legst du für solche Anlässe deine Gage fest?

Bei einem Firmenevent beträgt meine Gage als Solo-Comedienne 4800 Franken für 40 Minuten Auftritt. Davon bezahle ich aber auch meinen Techniker und meine Agentur. Von der Gage bleiben mir also am Schluss 60 bis 70 Prozent. Bei längeren Auftritten begleitet mich zusätzlich eine Live-Band. In diesen Fällen beträgt meine Gage 6900 Franken. Viele finden das teuer. Was sie nicht bedenken, ist, wie viel Arbeit in so einen Auftritt fliesst. Das sind nicht nur die eineinhalb bis zwei Stunden, in denen ich auf der Bühne stehe. Es braucht viel Vorbereitung: Das Programm entwerfen, das Einüben, die Gage der dreiköpfigen Band und des Technikers, das gehört alles dazu.

Wie viele Stunden investierst du denn insgesamt in einen Auftritt?

Meistens komme ich am Veranstaltungsort an, zwei, drei Stunden bevor mein Auftritt beginnt, da vorher alles aufgebaut und der Soundcheck gemacht werden muss. Je nachdem kommt noch die Fahrtzeit dazu. Wenn ich beispielsweise an einem Firmenessen auftrete und mein Einsatz erst nach dem Dessert ist, kann es bis zu acht Stunden dauern, bis ich wieder zu Hause bin.

Hast du einen Mindestansatz bei deinen Gagen?

Bei privaten Events arbeite ich mit einer Agentin. Sie hat einen Spielraum, wenn sie Gagen aushandelt. 4800 Franken ist die reguläre Gage. Unter 3000 Franken mache ich es nicht. Und mit der Band zusammen machen wir keinen Auftritt unter 5500 Franken.

Wie viel verdienst du mit einer öffentlichen Show, wenn du auf Tour bist?

Bei öffentlichen Shows ist die Gage unterschiedlich. Im schlimmsten Fall liegt sie im Minusbereich. Das ist etwa dann der Fall, wenn ich selbst veranstalte und die Ticketeinnahmen nicht ausreichen, um alle Kosten zu decken. Und wenn ich nicht selbst Veranstalterin bin, bleiben nach Abzug der Gagen für das Team und die Agentur maximal um die 1200 Franken für mich übrig. Oft bin ich schon froh, wie vorher erwähnt, wenn ich nicht noch aus meiner eigenen Tasche draufzahlen muss. Saalkosten, Band, Techniker, Werbung, Infrastruktur, Ticketverkauf, das sind alles Kosten, die ich bei öffentlichen Shows selber tragen muss, wenn ich selbst veranstalte. Ich habe bei solchen Auftritten seit zehn Jahren keinen Rappen verdient.

Wie viel kostet dich denn ein Programm?

Ich als Selbstständige habe die Rolle als Künstlerin, Sängerin, Veranstalterin, Geldgeberin und Managerin. Ich musste bis jetzt sämtliche Produktionskosten selbst tragen. Mein erstes Programm hat 60’000, das zweite hat 55’000 Franken gekostet. In den Produktionskosten ist meine Arbeitszeit noch nicht mal eingerechnet, nur die outgesourcten Kosten. Die Produktionskosten sind hoffentlich nach dem Frühling gedeckt, sodass ich jetzt, nach zehn Jahren, endlich sagen kann: Jetzt habe ich eine Gage.

Chrissi Sokoll
Wir Frauen haben die Tendenz, viel zu helfen und zu unterstützen, aber ich und meine Arbeit sind auch etwas wert.

Wie kannst du dir deine Auftritte dann leisten?

Ich finanziere mir die öffentlichen Auftritte mit Firmenauftritten. Ausserdem bin ich seit 20 Jahren fest angestellt an einer Primarschule als Musiklehrerin für die erste und zweite Klasse. Zusätzlich bin ich selbstständige Gesangslehrerin und Hypnosetherapeutin. Und mein Mann arbeitet 100 Prozent. Ich bin in der glücklichen Lage, mich nicht alleine über Wasser halten zu müssen.

Was ist ein fairer Lohn für deine Arbeit?

Ein fairer Lohn ist für mich, wenn die Kosten für meinen Auftritt gedeckt sind und ich zusätzlich mindestens den gleichen Geldbetrag wie mein Team als Gage bekomme. Ich muss meine Agentur und meine Musiker bezahlen. Derzeit trage ich die Kosten dafür, dass ich arbeiten gehe, andere Leute zum Lachen bringe und ihnen einen schönen Abend und bestenfalls Glücksgefühle beschere. Ich habe so viele Stiftungen angefragt, und keine hat mir Unterstützung gegeben. Ich bekomme derzeit keinen Lohn für meine Arbeit. Und das fühlt sich auf Dauer demütigend an. Andererseits weiss ich aber auch, dass es nötig ist, dranzubleiben und sich durchzubeissen. Nur so kommt irgendwann der Punkt, an dem ich ernten kann.

Machst du auch kostenlose Auftritte?

Ja. Wenn es für einen guten Zweck ist und ich mit Herz und Seele dahinter stehe, dann mache ich das gern. Wir Frauen haben die Tendenz, viel zu helfen und zu unterstützen, aber ich und meine Arbeit sind auch etwas wert. Inzwischen schaue ich, dass ich bei Benefiz-Auftritten auf der immateriellen Ebene einen zusätzlichen Mehrwert für mich generieren kann, sei es durch PR für mein Programm oder Networking.

Du warst nicht immer selbstständig. Musstest du als Ensemblemitglied jemals deinen Lohn verhandeln?

Nein. Angefangen hab ich als Musicaldarstellerin, da war die Gage immer gesetzt. Als ich dann zur Comedygruppe «Peperonis» gestossen bin, war da auch von Anfang an klar, wie hoch die Gage pro Show ist. Danach habe ich mich selbstständig gemacht. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mit meiner Band und dem Techniker die Gage, die ich verlangen soll, diskutiert. Ich will, dass es für alle meine Teammitglieder stimmt. Für die Auftritte braucht es ja nicht nur mich.

Chrissi Sokoll
Ich habe gelernt, dass ich mir selbst vertrauen und auch dem Impuls folgen kann, mit etwas aufzuhören, wenn ich merke, dass es für mich nicht mehr stimmt.

Was hast du durch deine Selbstständigkeit gelernt?

In meinen zehn Jahren als Geschäftsfrau habe ich mir angeeignet, Nein zu sagen. Ich habe gelernt, zu sagen: Für diese Gage und zu diesen Bedingungen mache ich es nicht. Und ich habe gelernt, dass ich mir selbst vertrauen und auch dem Impuls folgen kann, mit etwas aufzuhören, wenn ich merke, dass es für mich nicht mehr stimmt.

Wie hast du als Künstlerin die Pandemie erlebt?

Ohne meine Arbeit an der Schule und mein festes Einkommen wäre es eine absolute Katastrophe gewesen. Zu Beginn der Pandemie war ich gerade bereit, mit meinem neuen Programm aufzutreten. Das heisst, ich hatte schon mein Geld für die Produktion ausgegeben, aber nicht loslegen können. Daher habe ich nichts verdient und konnte das Loch im Geldbeutel nicht füllen. Anfragen für private Auftritte sind durch Corona auch fast gar keine mehr gekommen, das ist leider heute noch so. Es ist immer noch ein Riesenproblem. In der Kleinkunstszene schwimmen alle.

Deine neue Show heisst «Midlife-Chrissi». Hast du dir in deiner Midlife-Krise etwas Bestimmtes gekauft?

Nein. Wenn ich mir in einer Krise etwas kaufen würde, dann wäre es nur eine Kompensation für etwas. Ich funktioniere so nicht, ich bin keine Frustkäuferin. Aber jetzt, nach der Krise, fängt für mich gerade eine Phase der Veränderung an. Nach den Ausbildungen, die ich in den letzten Jahren gemacht habe, merke ich, dass nochmal etwas Neues bei mir anfängt. Das lässt mich nochmal aufblühen. Der Weg geht nochmal in eine neue Richtung.

Hast du ein Beispiel dafür?

Wir haben seit zehn Jahren einen VW-Bus, für unsere Familie war der sehr praktisch. Ich liebe diesen Bus und will ihn auch nicht hergeben. Aber seit einem halben Jahr merke ich, dass ich wirklich langsam wieder gerne mein persönliches Fun-Auto hätte. Ich will in meinem Auto sitzen, das Dach aufmachen und diesen Moment nur für mich haben. Und vielleicht mit einer Freundin oder mit meinen Töchtern oben ohne herumfahren – also Cabrio oben ohne, nicht ich (lacht).

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Was braucht es, um ein Star zu werden? Die 22-jährige Newcomerin Cachita lüftet die Geheimnisse der Gagen und Kosten im Musikbusiness. Sie spricht über ihren Geschäftssinn und die starken Frauen in ihrer Familie.