Angeline Suppiger ist Model und Co-Gründerin von SECEND. Über ihren Onlineshop verkaufen sie und ihr Partner Lebensmittel, die sonst im Abfall landen würden. Im Money Talk erzählt sie, wie viel Wert ihr Aussehen hat und warum sie SECEND gründete.

Persönlichkeit
KnauserigGrosszügig
Sparer:inInvestor:in
HaushaltsbuchBauchgefühl
CashDigital Payment
SparkontoAktien
FrankenBitcoin
Hintergrund
Alter:31
Ort:Zürich
Beruf:Unternehmerin und Model
Einkommen:unregelmässig, im 5-stelligen Bereich
Schulden:keine
Grösster Ausgabeposten:Miete
Vermögen:Eher wenig, da ich nie ein fixes Einkommen hatte.

Welche Gefühle löst Geld bei dir aus?

An erster Stelle Freiheit. Ich habe in Sachen Geld schon viel erlebt. Anfang 20 lebte ich bereits allein im Ausland und musste mit meiner schwankenden Modelgage die Miete finanzieren. Inzwischen bin ich 30 und verdiene etwas mehr.

Haben dich Geld und deine finanzielle Situation schon mal gestresst?

Ja, vor allem, als ich allein ins Ausland ging. Da war alles ungewiss: Wie viel ich verdiene oder was wie viel kostet. Zu jener Zeit machte mich meine finanzielle Situation sicher etwas unruhig, weil es einfach essenziell war. Ich wusste: Wenn ich nichts verdiene, kann ich grad die Koffer packen und wieder nach Hause gehen, und der Traum ist ausgelebt.

Angeline Suppiger
Es hat mich immer wieder geerdet, zurück in die Schweiz zu kommen und zu sehen, dass L.A. und das Modeln überhaupt nicht alles sind.

Am Ende hat es aber geklappt: Du bist mit 22 Jahren nach Los Angeles ausgewandert und hast grosse Modeljobs bekommen. Was hast du mit dem Geld in diesen jungen Jahren gemacht, und wie bist du damit umgegangen?

Als Model arbeitest du an relativ wenigen Tagen in der Woche. Aber an den Tagen, an denen du arbeitest, verdienst du verhältnismässig viel. Darum habe ich eigentlich in etwa so viel verdient, wie wenn ich 100 Prozent in irgendeinem Büro gearbeitet hätte. Damals wollte ich mein Geld einfach ausgeben. Ich lebte in manchen Bereichen zwar sparsam. Aber ich war auch alleine, weit weg und wusste, ich bin nicht für immer in den USA. Ich genoss die Zeit, machte Roadtrips und erlebte viel Neues. Heute bin ich sehr froh über diese Entscheidung und darüber, dass ich nicht das ganze Geld auf die Seite gelegt habe.

Weisst du noch, wie viel du bei deinem ersten Modeljob verdient hast?

Anfangs habe ich gar nichts verdient bei den Jobs. Da waren die Bilder die Gegenleistung. Und dann fing es in der Schweiz an mit Jobs, bei denen ich vielleicht 500 Franken pro Tag verdiente.

Wie viel verdienst du heute als Model durchschnittlich?

Ich würde sagen, durchschnittlich 1000 bis 1500 Franken pro Tag.

Wie hast du damals deine Gagen als Model verhandelt, und wie machst du das heute?

Das ist Sache der Agentur. Ich habe immer mit Modelagenturen gearbeitet. Jetzt, da ich mich an erster Stelle als Unternehmerin sehe, wäge ich mehr ab. Ich überlege mir vermehrt, ob sich ein Model-Job für mich wirklich lohnt.

Machst du heute andere Jobs als früher?

Ja, bestimmt. Früher musste ich teilweise einfach alles annehmen. Heute ist das anders. Ich lehne mehr Jobs ab und bin viel selektiver. Mittlerweile achte ich darauf, was für ein Unternehmen es ist. Ich habe Werte, die ich auch beim Modeln verfolge. Zum Beispiel lebe ich seit viereinhalb Jahren vegan und würde nie Werbung für Lederjacken machen. Das war früher vielleicht anders. Wenn ich da meine Miete finanzieren musste, nahm ich das einfach an, auch wenn ich es nicht zu 100 Prozent unterstützte.

Angeline Suppiger
Es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich durch unser Lager gehe und die vielen Paletten mit geretteten Lebensmitteln sehe. Wir konnten bereits über 1000 Tonnen Lebensmittel retten!

Als Model hat dein Aussehen einen direkten Geldwert. Wie war das für dich?

Ich habe zum Glück nicht so früh angefangen. Es gibt ja Models, die schon mit 15 Jahren nach Paris gehen. Ich war immerhin schon 18, als ich in der Schweiz anfing. Darüber bin ich sehr froh. Trotzdem hatte ich anfangs nicht so ein grosses Selbstbewusstsein. Das kam erst mit der Zeit. Dass das Aussehen konstant bewertet wird, macht schon etwas mit einem. Ausserdem ist die Modewelt sehr oberflächlich. Für mich war es wertvoll, dass mein Freundeskreis gar nie in dieser Szene war. Es hat mich immer wieder geerdet, zurück in die Schweiz zu kommen und zu sehen, dass das L.A. und das Modeln überhaupt nicht alles sind. Ich konnte vieles mit einer gewissen Distanz betrachten. Das hat mir sehr geholfen.

Du bist auch Gründerin. Gemeinsam mit deinem Partner führst du den Onlineshop SECEND. Zusammen rettet ihr Lebensmittel von Grossverteilern, die aufgrund ihres Ablaufdatums weggeschmissen werden, aber eigentlich immer noch geniessbar sind. Wie kamt ihr auf diese Idee?

Als wir SECEND 2021 gründeten, modelten wir beide Vollzeit. Wir fanden aber beide, es wäre cool, etwas eigenes aufzubauen. Vor allem mit unserem Background wollten wir nicht für immer modeln. Wir beide haben Wirtschaft studiert. Laurin entdeckte zu jener Zeit in Berlin einen «Rettermarkt». Das ist ein physischer Markt, mit Produkten, die bald ablaufen oder nicht ganz perfekt sind, zum Beispiel krumme Karotten oder nicht so schöne Äpfel. Wir wollten auch in der Schweiz so einkaufen, aber das gab es hier gar nicht. So kam uns die Idee für SECEND.

Wie habt ihr gestartet?

Da wir beide gemodelt haben zu jener Zeit, war es nicht möglich, einen physischen Shop aufzumachen. Deshalb entschieden wir uns für einen Onlineshop. Das lief alles nebenbei, und wir haben alles mehr oder weniger selber gemacht, learning by doing. Anfangs war das nur mal ein Versuch. Wir konnten uns gar nicht vorstellen, wie gross das wirklich wird. Das Modeln ermöglichte uns das Ganze. Wir hatten eine finanzielle Sicherheit und konnten die Zeit ohne Modeljobs ins Start-up investieren. So haben wir das ganze Kapital für SECEND selbst aufgebracht.

Angeline Suppiger
Es fühlt sich gut an, Geld zu sparen und dann auch noch etwas Gutes zu tun.

Was ist genau deine persönliche Motivation für SECEND?

Es ist unglaublich schön, wenn man morgens aufsteht und sich auf den Arbeitstag freut. Ich bin selbstständig, und jede Minute, die ich arbeite, ist gleichzeitig eine Investition in meine Zukunft. Es motiviert mich sehr, wenn wir positives Feedback von Kund:innen erhalten. Vor allem aber erfüllt es mich mit Stolz, wenn ich durch unser Lager gehe und die vielen Paletten mit geretteten Lebensmitteln sehe. Wir konnten bereits über 1000 Tonnen Lebensmittel retten!

Wer kauft mehrheitlich eure Produkte?

Wir haben ganz klar mehr weibliche Kundinnen. Durchschnittlich im Alter von 25 bis 45. Hier kann man sich die Frage stellen: Kümmern sich die Frauen durchschnittlich mehr um die Umwelt, oder liegt es daran, dass Frauen öfter für den Lebensmitteleinkauf zuständig sind?

Und was glaubst du ist die Motivation eurer Kund:innen? Geht es mehr um Nachhaltigkeit oder darum, Geld zu sparen?

Ich glaube, es ist eine Mischung aus beidem. Es fühlt sich gut an, Geld zu sparen und dann auch noch etwas Gutes zu tun. Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Motivation 50:50 bei Sparen und Retten ist.

Angeline Suppiger
Viel von dem Geld, das übrig bleibt, investieren wir wieder ins Unternehmen. Es ist jetzt wie unser Baby.

Viele Leute haben aufgrund der Wirtschaftslage aktuell weniger Geld im Portemonnaie. Hattet ihr deshalb einen Aufschwung und kaufen Leute mehr bei euch?

Das ist schwierig zu beurteilen, da es unseren Onlineshop erst seit 2,5 Jahren gibt. Wir dürfen aber ein starkes Wachstum verzeichnen. Ich denke schon, dass die schlechte Wirtschaftslage auch dazu beigetragen hat, dass wir mehr potenzielle Kund:innen von SECEND überzeugen konnten.

Wie ist euer Unternehmen heute aufgestellt?

Wir arbeiten mit sehr vielen externen Dienstleister:innen. Zum Beispiel unser Lager und unsere Logistikfirma, in der sicher 15 bis 20 Leute nur für uns arbeiten. Dann haben wir eine Werbeagentur, mit Expert:innen, die uns überall unter die Arme greifen. Und gleichzeitig haben wir eine Onlinemarketing-Agentur, die uns hilft. Angestellt sind nur Laurin und ich.

Könnt ihr euch einen regelmässigen Lohn zahlen?

Aktuell ist es noch schwierig, dass wir uns monatlich den gleichen Betrag auszahlen können. Jeder Monat ist einfach anders. Deshalb schauen wir immer am Ende des Jahres und machen dann den Abschluss. Viel von dem, was übrig bleibt, investieren wir wieder ins Unternehmen. Es ist jetzt wie unser Baby.

Wie viel Lohn zahlst du dir denn aus?

Ich glaube das letzte Mal habe ich mir für das ganze Jahr 50’000 Franken ausgezahlt.

Wie wir aus den Männerfragen mit Laurin wissen, kümmert er sich um die Finanzen im Unternehmen. Gerade wenn es um Lohnzahlungen geht: Vertraust du ihm da voll und ganz, oder schaut ihr das gemeinsam an?

Wir besprechen eigentlich recht viel. Gleichzeitig haben wir immer mehr unsere fixe Rolleneinteilung im Unternehmen. Aber bei Lohnzahlungen reden wir sicher darüber, und klar ist auch, dass wir das Geld 50:50 teilen.

Wann ist es für dich einfacher, um Geld zu verhandeln, als Model oder als Unternehmerin?

Das ist schwierig zu vergleichen. Bei SECEND ist es kein Verhandeln, sondern mehr ein Abschätzen. Man ist, glaube ich, vorsichtiger, wenn man sich selbst Lohn auszahlt. Als Model habe ich einen gewissen Wert, und unter dem arbeite ich nicht. Darum sind das für mich zwei ganz unterschiedliche Dinge.

Ein ganz anderes Thema: Wer hat mit dir als Kind über Geld gesprochen?

Ich glaube beide Eltern, aber eher mein Vater.

Wieso eher dein Vater?

Mein monatliches Taschengeld kam von ihm. Darüber, was ich mit meinem Geld kaufte, redete ich aber mit beiden Elternteilen. Wenn ich aber einen neuen Pulli brauchte, gab mir auch meine Mutter Geld.

Angeline Suppiger
Das Thema Finanzen bin ich bisher nie wirklich angegangen.

Gab es bei euch zu Hause einen Leitsatz zu Geld, den du dir gemerkt hast?

Wahrscheinlich: «Gib nicht alles auf einmal aus!» Den Spruch kennen sicher viele. Daran habe ich mich bisher immer gehalten. Oft auch gar nicht so bewusst.

Und wenn du Kinder hättest, was würdest du ihnen über Geld weitergeben?

Die Sache mit dem Taschengeld finde ich cool. So muss sich das Kind selbst einteilen und schauen, dass das Geld bis Ende Monat reicht. Später, wenn das Kind in die Lehre kommt oder an die Kanti, würde ich ein Gespräch darüber suchen, wie man anlegt oder am besten spart. Dieses Thema ist bei mir in der Schule kaum behandelt worden. Es gibt in dem Bereich viele Dinge, die ich erst jetzt lerne. Ich bin nun Unternehmerin und selbstständig. Da muss man schon in die Zukunft schauen und anfangen zu investieren. Das ist also ein Thema, über das ich mit mir selbst noch einen Talk haben muss.

Das heisst, du möchtest selbst auch investieren und dich vermehrt mit Finanzen befassen?

Es ist lustig, auch das mit der dritten Säule habe ich immer etwas vor mir hergeschoben. Jetzt möchte ich das ändern. Es ist also ein sehr aktuelles Thema momentan. Ich lese mich gerade ein und freue mich auch auf das Coaching, das ich bei ellexx absolvieren werde.

Da bist du bei ellexx sicher am richtigen Ort. Wir freuen uns auch auf dich!